Donnerwetter

29 August 2011

Wenn man mit Winzern und Winzerinnen an einem Tisch sitzt und über Wein redet, dann kommt unweigerlich die Sprache auch auf das Wetter. Das wird beim 2011er Jahrgang mit Sicherheit auch so sein.

Ein Hagelsturm zerstörte am 25.8.2011 in den Weinregionen Mosel, Rheingau, Rheinhessen und Baden einen Großteil dessen, was in Kürze hätte geerntet werden sollen. Besonders an der Mittelmosel richteten Hagelkörner so gross wie Golfbälle zum Teil üble Schäden in den Weinbergen an. Das Weingut S.A. Prüm geht davon aus, über die Hälfte der Ernte innerhalb weniger Minuten verloren zu haben. Andere fürchten Einbussen von ca. 30%. Der gesamte Schaden ist noch nicht abzusehen, denn das eigentliche Problem steht den Winzern wohl noch bevor: Fäulnis.

In den nächsten Tagen wird sich zeigen, wieviel des noch an den Reben hängenden Traubenmaterials ebenfalls vom Hagel verletzt wurde. Wenn es nicht schnell abkühlt und trocken bleibt, zieht die Fäulnis in den Berg. Es ist schon jetzt schlimm genug für manchen Winzerbetrieb, aber es könnte noch viel schlimmer kommen.

Und das alles, nachdem in Franken und Rheinhessen bereits im Frühling der Frost die Weinberge heimsuchte und zum Teil arg zurichtete. Und das alles, nachdem bereits der Jahrgang 2010 in Deutschland wetterbedingt zu einem Jahr mit wenig Wein wurde. Der Wein entsteht im Weinberg. Die Natur macht den Wein. Manchmal aber macht sie eben auch keinen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass 2011 ein schlechter Jahrgang wird. Ganz im Gegenteil. Bis der Hagel kam, sah alles sogar sehr gut aus. Da der Hagel jeweils örtlich begrenzt war, wurden zudem nicht alle Weinberge verhagelt. Und selbst auf den vom Hagel betroffenen Weinbergen wird 2011 geerntet werden können. Aber aufgrund der bevorstehenden Fäulnis nur mit einem gewaltigen Abeitsaufwand für die betroffenen Winzer, da die gesunden Trauben akribisch von Hand selektiert werden müssen. Wenn ordentlich aussortiert wird, wird es auch 2011 guten Wein geben. Teilweise vermutlich nur wieder sehr wenig.