Es gibt Väter, die bekommen am Vatertag das Frühstück ans Bett gebracht. Zu diesen Vätern gehöre ich nicht. Aus Mitleid wurde ich deshalb von einem anderen Vater zum Vatertagsessen eingeladen. Es sollte Szechuan Hot Pot geben.
So weit, so gut, hätte nicht die Gattin jenes Mit-Vaters kürzlich während eines zwanglosen Gesprächs erwähnt, dass sie in der Regel immer mindestens zwei Flaschen Wein mitbringen, wenn sie zum Essen eingeladen werden, denn - so ihre Begründung - eine Flasche trinke sie ja schon allein. Locker.
Vielleicht war diese Bermerkung nur scherzend gemeint. Vielleicht aber auch nicht. Sie ist Künstlerin. Jedes Kind weiss: Künstler lieben das Leben - und damit den Wein. Wie dem auch sei, wir (meine Frau und ich) konnten unmöglich mit nur einer Flasche Wein anklopfen. Also zwei.
Szechuan Hot Pot. Ich wurde schnell fündig in meinem Keller: 2 (zwei) Flaschen Riesling, mit ordentlich Restzucker: Dr. Konstantin Franks 2007er Riesling Semi-Dry von den Finger Lakes sowie A. J. Adams 2003er Dhronhofberger Sängerei Riesling Spätlese von der Mosel.
Beide Weine stammen aus sehr warmen Jahren, d.h. reife Frucht und relativ niedriger Säuregehalt. Das dünkte mich recht für solch ein Essen. Sie würden das zu erwartende gastrale Feuer schon im Zaume halten, dachte ich. Und tatsächlich, sie taten es.
Was habe ich an diesem Vatertag gelernt? Zum einen eignen sich Rieslinge aus relativ warmen Jahren bestens für chinesische Feuerspeisen. Und zum anderen: selbst zwei Flaschen sind manchmal nicht genug für vier Erwachsene, besonders wenn auch die Kunst nach ihrem Recht verlangt.