Der Kellerblog

Die Vernunft kehrt zurück. Zögerlich noch und etwas widerspenstig. Immerhin wurde sie an der Mosel über Jahre hinweg von der örtlichen Politik ignoriert, verhöhnt und gegängelt. Trotz aller Warnungen begannen die Bauarbeiten für ein Brückenprojekt, das an den Wahnsinn grenzt.

"New York Drinks New York" - veranstaltet von der New York Wine and Grape Foundation - stellte 37 Weingüter aus allen sechs Weinregionen New Yorks vor: Finger Lakes, Long Island, Hudson River, Lake Erie, Niagara Escarpment und die Thousand Islands.

Ich lebe in New York. Mein Interesse an Riesling von den Finger Lakes und von Long Island ist deshalb nicht ungwöhnlich, man möge es mir nicht übel nehmen. Es ist, nüchtern betrachtet, eigentlich ganz normal. Oft werde ich von weintrinkenden deutschen Freunden gefragt: Taugen die was, die New Yorker Rieslinge? Sicher, sie taugen. Nicht alle vielleicht, aber diese Einschränkung gilt für jede Weinregion, nicht nur für New York.

Ich gebe zu, Marketing ist für mich oft wie Chinesisch, nur ein bisschen komplizierter. Ich verstehe weder das eine, noch das andere. Und noch viel weniger verstehe ich den Fränkischen Weinbauverband e.V. Der hat nälich jüngst neue Bereichsnamen für den fränkischen Wein beschlossen. Geht es nach dem Willen des Verbands, so sollen bereits 2012 Weine mit einem der folgenden neün Bereichsnamen gekennzeichnet werden:

Ein Hagelsturm zerstörte am 25.8.2011 in den Weinregionen Mosel, Rheingau, Rheinhessen und Baden einen Großteil dessen, was in Kürze hätte geerntet werden sollen. Besonders an der Mittelmosel richteten Hagelkörner so gross wie Golfbälle zum Teil üble Schäden in den Weinbergen an. Das Weingut S.A. Prüm geht davon aus, über die Hälfte der Ernte innerhalb weniger Minuten verloren zu haben. Andere fürchten Einbussen von ca. 30%.

Früher war alles anders. Es war einfacher. Deutscher Riesling war süss, elsässischer Riesling war trocken. So einfach war das damals.

"They were invulnerable to cool.
They were curious orange."
Kurious Oranj, The Fall

Im Englischen ist es oft ein bisschen einfacher. "Orange wines" ist unter Weintrinkern mittlerweile ein geläufiger und weithin akzeptierter Begriff. Aber im Deutschen? Orangene Weine? Apfelsinenfarbige Weine? Oder vielleicht eher Schalenweine?

Es gibt Väter, die bekommen am Vatertag das Frühstück ans Bett gebracht. Zu diesen Vätern gehöre ich nicht. Aus Mitleid wurde ich deshalb von einem anderen Vater zum Vatertagsessen eingeladen. Es sollte Szechuan Hot Pot geben.

So weit, so gut, hätte nicht die Gattin jenes Mit-Vaters kürzlich während eines zwanglosen Gesprächs erwähnt, dass sie in der Regel immer mindestens zwei Flaschen Wein mitbringen, wenn sie zum Essen eingeladen werden, denn - so ihre Begründung - eine Flasche trinke sie ja schon allein. Locker.

Welch Glanz, welch illustre Gesellschaft! Kaum hatte man dem Kellermeister die Weinliste der "Riesling & Co. World Tour 2011" Verkostung in die Hand gedrückt, da erblickte er an einem der festlich weissbetuchten Tische einen wohlbekannten schottisch-karierten Anzug, in dem der echte Stuart Pigott steckte. Nicht weit davon entfernt konnte Der Kellermeister bewundern, wie Paul Grieco mit geschulter Eleganz beim Verkosten seinen gigantischen Ziegenbart vor dem Eintauchen in andere Grosse Gewächse bewahrte.

Heute beginnt der Summer of Riesling 2011. Zumindest in Amerika. Dort wird man in Restaurants des guten Geschmacks vermehrt Rieslinge im Angebot finden. Geboren wurde diese Idee 2008, als Paul Grieco, der Herrscher über alle Dinge Riesling in New York City, erklärte, dass in seiner Weinbar Terroir und seinem Restaurant Hearth den ganzen Sommer über nur Riesling als offener Wein ausgeschenkt werden darf. In jenem Jahr bekam ich im Terroir mein erstes Tattoo.

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