Ich trinke rot. Schon immer. Wenn's unbedingt sein muss, auch mal einen Weisswein. Aber bloss nichts mit Restzucker! Meine Frau trinkt rosé. Sie sagt, rosé ist hip. Hip oder nicht, ich rühr das Zeug nicht an. Ich trinke rot! Aber jetzt kommen sie mir auch noch mit orangefarbenen Weinen. Orange? Jetzt aber mal halblang!
They were curious orange."
Im Englischen ist es oft ein bisschen einfacher. "Orange wines" ist unter Weintrinkern mittlerweile ein geläufiger und weithin akzeptierter Begriff. Aber im Deutschen? Orangene Weine? Apfelsinenfarbige Weine? Oder vielleicht eher Schalenweine?
"Orange wines" beschreibt mehr eine Weinbautechnik, als dass sich der Begriff auf eine Gruppe von Weinen mit ähnlicher Farbe bezieht. Es geht um Weissweine, die auf ihren Traubenschalen vergoren werden. Im Englischen sagt man dazu schlicht: skin contact. Im Französischen etwas poetischer macération pelliculaire. Kein flüchtiger Kontakt, nicht nur für ein paar Herbstnachmittagsstunden bleibt der Most oder Wein auf den Schalen liegen, sondern über Tage hinweg oder sogar Wochen. Manchmal: Monate.
Das ist eine uralte Technik, die heute besonders in Slowenien und Norditalien ihre Renaissance findet. Während der Mazeration werden den Schalen und Traubenkernen Geschmackskomponenten und Tannine entzogen. Wenn sie dabei etwas oxidieren, umso besser. Ein bisschen Sauerstoff haut uns nicht gleich um. Das Resultat sind [.................]1. Orangefarbene Weissweine, mit heftigen, ungezähmten Aromen, einer massiven Tanninenstruktur und vielleicht etwas ungewohnten Geschmacksnuancen.
Letzte Woche veranstaltete die Anfora Weinbar in New York eine "Orange Wine Night". Sieben kupferfarbene Weine wurden by the glass angeboten. Ein nicht alltägliches Angebot, da man solche Weine nicht häufig findet und sie oft nur in sehr kleinen Mengen hergestellt werden.
Die Weine:
Dettori Bianco 2005
Monastero Suore Cistercensi "Coenobium Rusticum" 2009
Josko Gravner Ribolla 2000
La Stoppa "Ageno" 2006
De Concilis "Antece" 2004
Damijan "Kaplja" 2003
Bis dato war ich lediglich mit den Weinen von Josko Gravner vertraut, dem Urvater orangefarbener Weine. Gravner lässt manche seiner Weine in grossen Amphoren aus Ton vergären, die dann unter der Erde vergraben werden. Die Qualität und Eleganz Gravner's Weine sprechen für sich, wenngleich seine Weine nicht jedem schmecken. Manchmal ist selbst eine jahrtausendalte Weinausbautechnik der Zeit voraus.
Orangefarbene Weine sind keineswegs nur etwas für Sonderlinge. Sie sind nur anders, als andere Weine. Das fällt schon auf, wenn man sie einschenkt. Nicht nur der Farbe wegen. Manchmal erinnern sie sehr stark an naturtrüben Apfelsaft, da nicht wenige Winzer auf das Filtrieren des Weins verzichten.
Was mich am meisten faszinierte, waren die Frische und Komplexität der Weine. Wer bei oxidativ ausgebauten Weinen an mangelnden Schwung denkt, denkt falsch. Diese Weine sind lebendig. An Aromen haben sie mehr zu bieten als nur grüner Apfel oder - schlimmer noch - Eiche. Hier riecht nichts gezwungen. Im Gegenteil, es riecht manchmal fast heidnisch.
Die lebendige Säure dieser Weine macht sie zu idealen Essensbegleitern und da so manch orangefarbener Wein auch über markante Tannine verfügt, kann man ihn getrost zum Sonntagsbraten reichen. Der Geschmack obiger Weine war dabei vielfältig und reichte von Zitrusfrucht und Pfirsichblüten über angeschrammten Apfel und getrockneten Pflaumen bis hin zu gegrilltem Fleisch. Ungescherzt.
Gravners 2000 Ribolla war der eleganteste Wein, vielschichtig, ausgewogen, nachhaltig und trotz seines Alters noch ungemein frisch. La Stoppas 2006er Ageno war heftig und stark, es fehlte ihm vielleicht die Eleganz des Ribollas, aber er ist ja auch noch jünger und ganz offensichtlich reifen diese Weine sehr gut. Dettoris 2005er Bianco von 40 Jahre alten Vermentino Reben war intensiv, aber auch roh und ungestühm, den hätte man vorher ein paar Stunden dekantieren müssen. Damijans 2003er "Kaplja" war dagegen weich und roch nach Blumen. 2
Ein schöner Abend.
They were curious orange."
2 Verkostungsnotizen zu den einzelnen Wein können auf der englischen Version nachgelesen werden.
Orange wines in Deutschland
Submitted by orange wines (not verified) on 21 September 2011.
Hallo Kellermeister schön das dir die Orangen Weine so gut schmecken wie mir. Ich habe sehr viele dieser Wein probiert und jeder ist auf seine Art besonders, wenn auch nicht jedermanns Geschmack. Besonders empfhlen kann ich dir die Wein von Giorgio Clai und Mladen Roxanich.
Danke für den Tipp. Ich werde
Submitted by DerKellermeister on 21 September 2011.
Danke für den Tipp. Ich werde mal schauen, ob ich Clai und Roxanich hier in New York finden kann. Und dann berichten.